Nachhaltige Elektrifizierung sozialer Einrichtungen in Benin

Jedes vierte Gesundheitszentrum in Afrika hat keinen Zugang zu Elektrizität. Ähnlich verhält es sich mit sozialen Einrichtungen ganz allgemein, besonders in Benin. Die Ländermaßnahme Benin der Grünen Bürgerenergie für Afrika (GBE) zielt darauf ab, den Markt für dezentrale erneuerbare Energien in ländlichen Gebieten durch die Förderung von Energy-as-a-Service-Geschäftsmodellen zu stärken. Um deren Bekanntheitsgrad zu erhöhen, hat GBE Benin ein YouTube-Video (in französischer Sprache) veröffentlicht, in dem der neue Fee-for-Service-Ansatz, der gemeinsam mit privaten und öffentlichen Partnern verbreitet werden soll, vorgestellt wird.

Nach Angaben der Weltbank (2020, Increasing Human Capital by Electrifying Health Centers and Schools through Off-Grid Solar Solutions) haben etwa 1,75 Millionen Menschen, also jeder Vierte, in öffentlichen Gesundheitszentren und Schulen keine zuverlässige Stromversorgung. Etwa 70 % der medizinischen Geräte in Entwicklungsländern fallen aufgrund schlechter Stromzufuhr aus, beispielsweise durch Anomalien in der Stromqualität, die unter anderem Kurzschlüsse auslösen. Soziale Einrichtungen in Benin betrifft dies ganz besonders.

Im konventionellen Eigentumsmodell für Elektrifizierungsgüter übernimmt eine Regierungsbehörde (oder ein Geber) die Eingangsinvestition, die für den Kauf und die Installation von netzunabhängigen Systemen erforderlich ist. Das Eigentum an den Anlagen wird dann an die Begünstigten übergeben. Betrieb und Wartung (O&M) werden (wenn überhaupt) separat behandelt, oft in Form von Schulungen der lokalen Bevölkerung oder indem die Verantwortung bei einer bereits überlasteten Agentur für ländliche Elektrifizierung belassen wird.

Unzählige Beispiele legen nahe, dass dieser Ansatz häufig scheitert: Wenn die Garantiezeit abläuft und das System nicht mehr funktioniert, sind die sozialen Einrichtungen oft selbst nicht in der Lage, Reparaturen durchzuführen und stellen daher die Nutzung des Systems ein, wodurch Vermögen und Investitionen verschwendet werden. Eine von GBE Benin im Jahr 2019 durchgeführte Umfrage unter 50 Gesundheitszentren zeigte, dass zwar 86 % der befragten Gesundheitszentren über ein Solarsystem verfügten, aber fast 40 % dieser Systeme nicht funktionierten (obwohl die Mehrzahl der Systeme weniger als drei Jahre alt war und daher theoretisch noch unter die Garantie fiel)..

Es besteht daher ein dringender Bedarf nach einem Paradigmenwechsel, der bei der netzunabhängigen Elektrifizierung von einem Modell des Anlagenbesitzes, zu langfristigen, leistungsbasierten Modellen übergeht, bei denen die Energie selbst als Dienstleistung verkauft wird. Folglich zielt die GBE-Initiative in Benin darauf ab, den Markt für dezentrale erneuerbare Energien in ländlichen Gebieten zu entwickeln, indem solche Energy-as-a-Service Geschäftsmodelle gefördert werden. Um das Bewusstsein für dieses Geschäftsmodell zu erhöhen wurden, neben dem bereits genannten YouTube-Video, im Juni Informationsveranstaltungen mit privaten und öffentlichen Partnern organisiert.

Beim Fee-for-Service-Ansatz wird die soziale Einrichtung nicht Eigentümer der Solaranlage, sondern profitiert nur von den Energiedienstleistungen, die sie auf monatlicher Basis in Anspruch nimmt und abrechnet (ähnlich wie bei Anschlüssen an Versorgungsunternehmen, Mini-Grids oder nationale Stromnetze). Ein privates Unternehmen ist für die Finanzierung, Installation und Wartung des Solarsystems verantwortlich. Es ist also ein Modell, das auf der gegenseitigen Beziehung von Angebot (Solarunternehmen als Versorger) und Nachfrage (soziale Infrastruktur als Kunde) beruht. Wenn das Solarunternehmen keinen Qualitätsstrom liefert, wird es nicht bezahlt; und wenn die soziale Einrichtung nicht bezahlt, bekommt sie keinen Strom. Zusätzlich baut das Modell auf neueste Technologie in Form von ferngesteuerten Solarsystemen mit optimierter Wartung, sowie Prepaid-Zahlungen zur Freischaltung des Systems. Im Falle von öffentlichen sozialen Einrichtungen und abhängig von den nationalen Kapazitäten, können die Energiezahlungen direkt von der sozialen Einrichtung, von der lokalen Behörde oder von der nationalen Regierung (z. B. durch das jeweils zuständige Ministerium) erfolgen.

In diesem Sinne hat die GBE Benin Ende Januar 2020 einen Aufruf zur Interessensbekundung gestartet und auf der Grundlage ihrer technischen und finanziellen Möglichkeiten 10 Unternehmen (3 lokale und 7 internationale) ausgewählt, die nach einem solchen Modell in Benin arbeiten sollen. Diese Arbeitsgruppe wird der GBE Benin dabei helfen, die Verbesserung des regulatorischen Rahmens zu unterstützen und einen ergebnisbasierten Finanzierungsmechanismus zu entwerfen, der mittels Fee-for-Service-Modell die  Rentabilitätslücke für die Elektrifizierung sozialer Einrichtungen schließen kann.